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Nun also kommen wir zu dem eigentlichen Ziel dieser Norwegenreise: die sogenannte Flambahn,

Die Flåmsbana ist eine eingleisige normalspurige Nebenstrecke der norwegischen Bergenbahn. Sie führt vom 866 Meter hoch gelegenen Myrdal hinunter durch das Flåmsdalen nach Flåm am Aurlandsfjord.

Wir erreichen Flam am Ende des Aurlandsfjords, einem Nebenarm des 204 Kilometer langen und bis zu 1.308 Meter tiefen Sognefjords. Da kommt Loch Ness mit seiner Tiefe von 230 Metern nicht ganz mit.

 Es ist recht heiß an diesem Tag, aber genau richtig, um mit einem Zug durch die Berge zu fahren. Im Hintergrund legt ein Kreuzfahrerschiff an, viele der Passagiere wollen mit. Dennoch ist es nicht so voll wie vor ein paar Jahren, scheinbar haben wir eine gute Reisezeit erwischt.

Flåm war vor dem Bau der Eisenbahn hauptsächlich durch Landwirtschaft und Almbewirtschaftung geprägt.

In dem einzigen Touristenbüro erhalten wir unsere Fahrkarten. Natürlich hatten wir online gebucht. Es ist deutlich wenig los hier, scheinbar ist die Reisezeit vor der Mittsommer hier weniger frequentiert als den Rest des Jahres.

Die Flamsbana hält nicht weit entfernt. Natürlich ist sie wie alles in Norwegen geputzt und glänzt in der Sonne. Wir steigen ein, suchen uns einen guten Platz und stellen fest, dass der Zug nicht wirklich von Menschenmassen gefüllt ist.

Ein paar informelle Dinge in mehreren Sprachen, damit es auch der Letzte oder die Letzte versteht, dann ruckelt der Zug langsam los.

Die Flåmbahn ist eine der steilsten Eisenbahnstrecken der Welt auf Normalspur. Die Steigung beträgt auf fast 80 % der Strecke 55/1000, also eine Steigung von eins zu achtzehn.

Unser Ziel wird Myrdal sein, das wird in gut 20 Kilometern so weit sein. Davor warten 20 Tunnel auf uns. eine wahre Freude für den, der gerade fotographiert.

In den 1950er und 1960er Jahren sollte die Strecke wie andere Nebenstrecken in Norwegen stillgelegt werden. Da aber die Nutzung durch den Personenverkehr stetig zunahm, wurde schließlich davon abgesehen. Die neugegründete Gesellschaft Flåm Utvikling AS übernahm 1998 das gesamte Marketing einschließlich der werbeseitigen Produktentwicklung für die Flåmsbana.

2013 konnte mit 718.195 Fahrgästen ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden (2005: 475.033 Fahrgäste). Die Flåmsbana ist damit eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Norwegens geworden.

Der Zug stoppt plötzlich, es geht nicht weiter. Was ist los? Am 31. Juli 2019 gab es den letzten und hoffentlich einzigen Unfall auf dieser Strecke. Als der Zug nach Flåm an dem besagten Datum im Begriff war, den Zug in Richtung Myrdal am Bahnhof Berekvam zu passieren, befand sich die Weiche in der falschen Position, was zu einer Kollision zwischen den beiden Zügen führte. Mehr als 10 Personen erlitten leichte Verletzungen, nachdem sie während des Unfalls in den Wagen umgestoßen wurden. An Bord der beiden Züge befanden sich rund 800 Passagiere.

Die Strecke wird ohne Streckenblock betrieben. Im Sommer werden zwei Garnituren eingesetzt, die sich im Bahnhof Berekvam kreuzen. Dabei werden die Weichen von Hand gestellt. Das macht unser Schaffner nun und nachdem der Gegenzug vorbei gefahren ist, geht es für uns weiter.

Es geht vorbei an rauschenden Wasserfällen oder Flüssen, es scheint von allen Seiten zu rauschen. Grüne Täler, durch die Unmengen von Wasser sich ihren Weg ins Tal bahnen.

Und wir fahren weiter, der Huldra und dem Kjosfossen entgegen.

Die Huldra ist ein weibliches Wesen der skandinavischen Mythologie. In einigen Regionen wird sie auch als Wächterin des Waldes gesehen. Besonderes Merkmal sind die langen blonden bis goldenen Haare und ein wie bei Tieren üblicher Schweif am Hintern. Dieser wird aber gut durch die Haare und das Kleid versteckt.

Zunächst einmal halten wir am Kjosfossen. Es ist beeindruckend, selten kommt man so dicht an einen tosenden Wasserfall heran. Eine willkommende Erfrischung an diesem heißen Tag, keine Chance, dieser Dusche auch nur irgendwie zu entgehen.

Dann sehen wir die Huldra, rechts am Ufer tanzt sie!

Huldren halten sich gern an Gewässer auf. Sie sind bekannt dafür, Wanderer vom Weg abzubringen, Bauern die Sinne zu betören und Fischer in falsche Fahrwasser zu locken. Unwiderstehlich durch ihren Gesang, verführerisch durch ihr Aussehen und dabei nichts anderes im Sinn, als ihre männlichen Opfer an der Nase herumzuführen oder gar zu vernaschen.

Wenn ein Mann eiserne Gegenstände über den Kopf einer Huldra wirft oder schießt, muss er sie heiraten, bei dieser Gelegenheit verliert sie zwar den Kuhschweif, nicht aber ihre übernatürlichen Kräfte und Fähigkeiten. Je nachdem, wie er sie behandelt ist sie nett oder wird zu einem grausamen Drachen. Aber so etwas ist ja nicht ungewöhnlich...

1951 wurde in der Nähe des Wasserfalls diese Halteplatz für die Bahn errichtet, damit die Reisenden den Zug verlassen können, um den Wasserfall zu besichtigen.

Der Kjosfossen ist übrigens nur über die Flambahn zu erreichen, nur von dieser Haltestelle aus kann man den aus 93 Meter herabstürzenden Wasserfall bewundern.

Als wir alle gründlich gewässert sind, geht es zurück in den Zug. Myrdal ist nur noch wenigen Kilometer entfernt.

Myrdal ist eine 866,8 Meter hoch gelegene Bahnstation am Westrand der Hochebene Hardangervidda. Hier treffen sich die Bergensbane zwischen Oslo und Bergen sowie die Flåmsbana, die von Myrdal hinunter nach Flåm am Aurlandsfjord führt.

Wir hatten ja einiges vermutet, aber nicht, dass es von hier aus weitere Streckenverbindungen gibt. Die meisten Reisenden steigen aus, um sich die Beine zu vertreten.

Tatsächlich gibt es hier noch zwei weitere Fahrtrichtungen: die eine geht nach Oslo, die andere nach Bergen. Vielleicht sollte man doch irgendwann einmal das Auto zuhause lassen.

Tatsächlich sehe ich einige Passagiere, die umsteigen. Dann heißt es auch für uns einsteigen und die Fahrt geht zurück nach Flam.

Zurück geht es durch die vielen Tunnel, die einem des öfteren die besten Aufnahmen versauen. Doch wir haben schließlich mehr als genug von den einmaligen Bildern eingefangen.

Wir entspannen also und genießen ganz einfach die Fahrt.

Vorbei geht es an den kleinen Bahnhöfen, von denen allerdings nur zwei noch angefahren werden...

Dann taucht auch Flam auf.

Wir hatten mal wieder Glück mit dem Wetter gehabt und Flam und die dazu gehörigen Bahn zeigten sich von ihrer besten Seite.

Dann hält der Zug, der Bahnhof ist Nachmittags noch voller als vorher. Zeit für uns, unsere Sachen zu packen und die Fahrt nach Bergen anzutreten, wo ja noch der Ulriken auf uns wartet.

Ein letzter Blick auf den Fjord, der in den letzten Wochen allgegenwärtig war...

Eine Entenfamilie zieht zum Abschied vorbei.

Dann geht es die E16 durch den Nærøyfjorden Verdsarvpark hindurch weiter Richtung Bergen.