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Vor fünf Jahren besuchten wir das erste Mal Norwegen, unvergessen die Übernachtung in Haukeliseter Fjellstue in über 1.000 Metern Höhe. Hier übernachteten einst die Arbeiter, die die Bahnverbindung Oslo-Bergen bauten. Heute ist es ein Zielpunkt für viele Wanderer.

Haukeliseter stand dieses Mal nicht auf unserer Speisekarte. Wir nahmen zunächst aber wie auch damals das Schiff Kiel-Oslo.

Unsere aktuellen Ziele sind die Flam-Bahn, der Besuch eines Gletschers und die Seilbahn zum Ulriken in Bergen als krönender Abschluss.

 Die atemberaubende Aussicht der Flam Bahn wird immer wieder unterbrochen durch einen der vielen Tunnel, die ein Drittel der rund 20 Kilometer langen Strecke ausmachen. Tatsächlich gilt die Strecke als eine der anspruchsvollsten und spektakulärsten Europas.

Gut 17 Jahre dauerten die Arbeiten für die steilste Adhäsionsbahn, die auf Normalspur verläuft. Der Bau verschlang 26,5 Millionen Kronen, damals eine ungeheuerliche Summe. 18 der 20 Tunnel wurden mit der Hand gegraben. Die senkrecht aufragende Gebirgswand im oberen Teil des Tals war für die Ingenieure eine enorme Herausforderung. Um den großen Höhenunterschied zu überwinden, bohrten Arbeiter im Berginneren einen Wendetunnel. Auf vier übereinander liegenden Etagen schraubt sich der Zug von Meereshöhe bis auf 866 Meter ins Bergdorf Myrdal hinauf.

Hier trafen wir auf Huldra, die der Sage nach Männer entführt. Sie tanzt später rechts im roten Kleid am Kjosfossen-Wasserfalls. Passiert ist aber nichts....

Weiter wird es dann gehen nach Nigardsbreen, wir wollen einen Gleltscher besuchen.


Wir nahmen wie auch damals das Schiff Kiel-Oslo. Die Fahrt mit dem Schiff wird knapp zwanzig Stunden dauern.

Es ist wieder da: dieses Kribbeln im Bauch, wenn das Schiff am Terminal an legt.

Schnell noch einmal gucken, wo sind die wichtigsten Papiere? Natürlich dort, wo wir sie hin gepackt haben, alles ist gut, alles ist in Ordnung. Wie sind wohl die Kabinen? Ich glaube, als erstes werde ich mich aufs Bett legen und eine Cola schlürfen... Ich kontrolliere erneut meine Jackentaschen... ja, da ist sie, die Chipkarte für die Kabine, daneben die Karte für das Dinnermenue. Wann geht das eigentlich los? Um 18.00? Gut, ich freue mich schon darauf.

Das Schiff ist bereits entladen, wir sind in der ersten Reihe der Fahrzeuge. Sehr gut, denke ich, somit geraten wir nicht in die Masse der anderen Mitreisenden. Mit Grauen denke ich an so manche Fahrt, als wir mitten in der Schlange der Autos und ihren erholungssüchtigen Insassen standen und uns durchdrängeln mussten, um ins Freie zukommen. unvergessen die Reise, als eine dicke Frau vor uns sich die Treppen hinauf quälte, die linke und rechte Hand was mit dicken Taschen belegt. Es ist übrigens empfehlenswert, sich die Nummer des Aufgangs zu merken, ein kurzes Foto mit dem Handy genügt da schon. Aber da wir heute in der ersten Reihe sind, ist alles ein wenig entspannter.

Wir nehmen einen kleinen Rucksack mit allen Notwendigkeiten für eine Nacht und traben los in den 9. Stock. Über eine Treppe geht es raus, wir nehmen den Fahrstuhl, die Gelegenheit ist noch günstig. Tatsächlich wartet nur eine Familie in dem Lift und wir steigen ein. Die Fahrstühle sind schnell und wir erreichen unseren Stock um 12.30h, also viel zu früh. Doch wieder haben wir Glück und die Chipkarte lässt uns schon hinein. Das Schiff hingegen soll erst um 14.00h den Hafen Kiel verlassen.

Wir machen es uns also erst einmal gemütlich, bevor wir das Schiff inspizieren.

Wir wissen schon von einer vorherigen Reise, dass es auf diesem Schiff eine sogenannte 'Mall' gibt, eine Einkaufsmeile auf dem Schiff. Hier gibt es zu allerdings überteuerten Preisen von Krabben bis zum Perfüm hin alles, was das Herz begehrt und was recht nutzlos ist. Ein wenig mit Wehmut denken ich an unsere Schottlandreisen zurück, die nicht halb so luxuriös waren. Dafür wirkte sie einfach authentischer als all dieser Schnickschnack hier.

Gar nicht zu vergleichen mit unserer ersten Reise von Kiel aus, als wir mit einem polnischen Schiff in einer Innenkabine fuhren. Auch war das Essen auf dem polnischen Schiff weitaus 'authentischer', wobei die zähen Schnitzel und die Riesenkartoffeln mit Augen doch weit mehr was von Abenteuer hatten als das hier.

Übrigens sollte man, wenn man hier auf diesem Schiff eine Reise macht, wirklich nicht eine Kabine direkt an der Mall buchen. Man ist zwar mittendrin im Leben, aber wer möchte das schon in der Nacht sein?

 

 Die Stimmung an Bord ist natürlich sehr gut, Corona scheint es für die meisten nicht mehr zu geben, wir gehören zu den wenigen, die eine Schutzmaske tragen. Das Wetter ist einfach nur prächtig, aber nicht zu heiß. Wir ziehen uns in die Kabine zurück und fallen über den Kühlschrank her.

Zu reichlich Cola und Selter feiern wir unsere ersten Tag auf See. Vorbei geht es an Laboe und dem ewigen U-Boot, das wir vom Schiff aus gut erkennen können. Es ist die U 995, deutsches U-Boot der ehemaligen Kriegsmarine vom Typ VII C/41, das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Im September 1943 wurde es in Dienst gestellt und absolvierte neun Einsätze. Gebaut wurde es bei Blohm und Voss.

Kurz drauf werden wir von einem richtigen U-Boot begleitet. Wir sind nun schon einige Meilen von der Küste weg und vermutlich handelt es sich um eines der U-Boote, dass seit Anfang Juni eine groß angelegtes NATO-Mannöver begleitet. Es nehmen in diesen Wochen auf der Ostsee mehr als 45 Schiffe und 75 Flugzeuge sowie rund 7.000 Soldaten teil.

Da wir Freunde sind und man ja nicht auf Freunde schießt oder sie gar versenkt, verabschiedet sich das Boot irgendwann und wir bewegen uns in Richtung Deck 7, zum Dinner Buffet.

Wieder einmal überwiegt die Reichhaltigkeit und während das Schiff an den ersten dänischen Inseln vorbei gleitet, könnte das, so überlege ich, das letzte Mal sein, noch einmal richtig zuzulangen. Ähnlich auf den Fähren nach Schottland, wo es quasi ein letztes Mal kontinentales Essen gab. Wer weiß, vielleicht warten die nächsten Wochen nur noch Fisch und Elch oder Trockenfisch auf mich...

Die See ist ruhig und es wird eine angenehme Nacht.

Um diese Abendzeit ist es am ruhigsten an Deck, es ist die Abendstimmung auf See. Am nächsten Morgen werden wir in Oslo sein.

Wir haben eine sehr ruhige Kabine, auch wenn die Temperaur in einer Schiffkabine immer ein wenig gewohnheitsbedürftig ist, aber da kann selbst eine gute Kllimaanlage nicht gegen an.

Endlich fahren wir in den Fjord von Oslo ein. Das Deck ist mittlerweile wieder gut gefüllt, niemand will diesen Moment missen.

 Um 10.00 Uhr legen wir pünktlich an. Natürlich sind wir wie alle anderen schon im Wagen und als endlich die Schotten geöffnet werden, fahren auch wir los. Vorbei geht es durch eine abgesteckte Strecke entlang am Filipstadkaja. Wir halten die Papiere bereit, doch niemand will sie sehen. Weiter geht es auf dem  Filipstadvejen bis hin zu E18.

Nach ein paar Minuten Fahrtzeit erreichen wir bei Sandvika die E16, unser Tor zum Sognefjord.

Es geht los, wir sind auf dem richtigen Weg!

Der erste von vielen Tunneln ist erreicht. Der erste Wegelagerer auf unserer Strecke, denke ich. Denn wenn ich Wochen später auf meine Kontoauszüge gucken werden, so sehe ich dann an die 20 Abbuchungen einer gewissen DZ Bank.

Wo bei uns in Deutschland ja alle über Digitalisierung reden und jeder Politiker seinen unausgegorenen Senf dazu gibt, so stellen wir hier in Norwegen fest, dass die alle schon einen gewaltigen Schritt weiter sind. Da wir uns vor Jahren bei Euro Parking angemeldet hatten, werden wir automatisch registriert. Auch beim Fährverkehr brauchen wir kein Kleingeld, wir werden ganz charmant digital abkassiert.

Unser Navi hat uns über die 52 über das Hemsedalfjell gelotst, wir sind plötzlich zwischen Bergen mit Schnee und Seen, die noch von Eis bedeckt sind. Es ist recht kühl hier und es weht ein kräftiger Wind.

Weiter geht es und wir kommen an ein Hochplateau, das mich an das Gebiet um Haukeliseter Fjellstue erinnert. Ein paar Hütten sind am See zu erkennen, und das verstärkt den Eindruck noch mehr.

Waren wir gerade noch durch eine grüne Landschaft gefahren, so sieht hier alles grau und kalt aus. Doch es ist irgendwie schön hier und erst, als wir gründlich durchgefroren sind, fahren wir weiter.

Noch ein letzter Tunnel und wir haben es geschafft...

Wir sind endlich da, wo wir immer hin wollten: zwischen Bergen und Wasserfällen. Dann erreichen wir Naddvik, unser Ziel.

 Zunächst einmal freuen wir uns über den riesigen Fernseher, doch dann stellen wir fest, das wir ja ein Wort norwegisch verstehen. Mein Laptop lässt sich aber an den Bildschirm anschließen und eine kleine VPN-Lösung lässt uns dann alles sehen, was wir auch verstehen.


 

 Das Wetter ist grau, es nieselt. Genau der richtige Tag für einen Kirchenbesuch. Der Weg nach Borgund ist nicht weit imd schon bald stehen wir vor einer beeindruckenden, alten Stabkirche. Die Stabkirche in Borgund ist die am besten erhaltene Stabkirche in Norwegen.

Wir kommen an einer kleinen Stadt names 'Husum' vorbei und sind ein wenig überrascht. Es ist ein winziges Dörfchen mit jedoch zwei wunderschönen Häusern.

Dann fahren wir an der Abzweigung zur 'historischen Straße' vorbei, wir heben sie uns für später auf.

 

In Norwegen gibt es über 1000 Stabskirchen, wobei nur noch 28 in gutem Zustand erhalten sind. Die Stabkirche Borgund oder norwegisch: Borgund stavkyrkje zählt dabei aber zu den best erhaltensten.

Diese Kirche wurde ungefähr im Jahr 1180 erbaut und dem Apostel Andreas geweiht.

Es gibt unterschiedliche Arten von Stabkirchen. Sie alle haben jedoch etwas gemeinsam: die Eckmasten („Stäbe“) und ein Balkengerüst mit auf Schwellen ruhenden Wandbohlen. Diese Wände nennt man auch Stabwände – daher der Name Stabkirche.

Neben der Stabkirche Borgund befindet sich das Besucherzentrum, wo Sie sich eine gute Ausstellung über die Stabkirchen und ihre Funktion im religiösen Leben im Mittelalter ansehen können. Das Besucherzentrum hat vor kurzem auch eine neue Ausstellung über einmalige Wikingerfunde mit Objekten aus dem 9. Jahrhundert öffnet.

Da die Stabkirchen in den zweihundert Jahren nach der Übergangszeit vom Heidentum zum Christentum gebaut wurden, finden sich an ihr viele heidnische Elemente.

Nach so viel Kultur ziehen wir uns ins Informationszentrum zurück und inhallieren erst einmal Tee und Kaffee...

Neben der Stabkirche befindet sich eine zweite Kirche im Wiederaufbau, allerdings eine Kirche neueren Datums.

Nicht weit von hier befindet sich eine alte, historische Straße. Die nehmen wir.

Die Straßen in Norwegen sind im allgemeinen sehr gepflegt, diese historische Straße ist es allerdings nicht. Aber das passt zum Wetter, es nieselt und die Sonne läßt sich nicht blicken.

Vorbei geh es an rauschenden Wassern und wir stellen fest, dass eine gelbe Warnblinke an der Armatur unseres Wagens aufleuchtet. Wir tippen auf Öl, da wir noch eine Flasche in Reserve haben, verschieben wir den Ölwechsel auf die Rückkehr.

Diese Straße ist zum Glück wenig befahren und wir müssen nicht mit Gegenverkehr kämpfen....

Eine wirklich einladenden Brücke. Doch leider ist sie von dieser Seite verschlossen... das Wasser wäre ohnehin viel zu kalt an diesem Tag.

Doch von der anderen Seite bekommen wir ihn besser zu Gesicht. Manchmal müssen die schlauen Wasserfälle auch ganz einfach überlistet werden.

Letzlich zeigt sich ein weiterer in voller Pracht. Der Lärm des Wasserfalls ist ohrenbetäubend.

Es ist nass hier und ich will endlich Schnee haben! Utladalen als Nächstes  klingt interessant, der Schnee muss noch warten.


 

Früh am Morgen fahren wir los. Das Tal soll sich über 40 Kilometern Länge ausdehnen. Utladalen ist das tiefste Tal Norwegens und auf dem Gebiet der Kommune Årdal. Am Ende der Straße befindet sich ein Parkplatz.

Hier beginnt die ca. 13 km lange, als 'leicht' beschriebene Wanderung. Den Wegbeschreibungen der Norweger sollte man nicht trauen. Es gibt die Kategorien grün, blau und rot.

Man sollte sich allerdings nicht auf eine blaue (mittel schwere) Strecke begeben, schon die grüne ist als 'leicht' gelinde gesagt, untertrieben.

Schon der erste Wasserfall ist spektakulär und wir werden geduscht, so weit spritzt das Wasser des gut 200 Meter langen Wasserfalls, bevor er auf die Erde klatscht und eine Fontäne von sich gibt.

Über einen steilen Weg geht es weiter und noch sind wir guter Dinge.

Vorbei geht es an Brücken, mal geht es über dieselben, doch meistens geht es bergauf.  Die Pausen zwischen dem Laufen werden kürzer.

Wasser, wohin man hier auch sieht. Dann gelangen wir an eine besonders schöne Stelle. Der Weg dorthin ist verflucht steinig und ich handele mir eine Zerrung ein.

Aber diese Stelle lädt zum Verweilen ein. Das Wasser ist turkis und das weißt auf Kalkablagerungen aus den Berge hin. Wir können uns vorstellen, dass diese Stelle hier die 'blaue Lagune' genannt wird. Das Wasser scheint aus einer Höhle herab zu fließen.

Dieser See lädt zum Baden ein, wir fragen uns, ob wir diese Stelle nicht schon einmal in irgendeinem Film gesehen haben.

Dann geht es weiter, immer weiter berauf. Die Füße tun langsam weh und eine üble Zerrung verhindert die Ersteigung der nächsten Höhe. Wir haben genug Wasserfälle gesehen, beschließe ich und wir gehen die 8 Kiliometer zurück.

Abwärts ist es einfach entspannter.

Es lohnt sich immer wieder, mal einen Abstecher zu den kleinen Ortschaften zu unternehmen, manches ist alt, aber wunderbar in Stand gesetzt.


 

Heute geht es nach Aurdalsfjelett, auch als so genannter 'Schneeweg' bekannt, dann ein Abstecher nach Flam.

Natürlich hätten wir auch den Tunnel nach Flam nehmen können, aber da ist naturgemäß wenig Aufregendes zu sehen.

 Das Wetter ist schaurig bis grieselig, die Wolken hängen recht tief. Die Sonne kommt heute wohl nicht durch.

 Vorbei geht es an rauschenden Wildwassern, weites Land und viel Grün.

Hin und wieder führt eine Brücke direkt über einen Fluss, immer wieder staunen wir über die extrem blaue Farbe der Flüsse, sie kommt von dem dem kalkhaltigen Boden der widerum ist die Grundlage für eine sehr reichhaltige Flora mit einigen seltenen Arten.

Die Flüsse scheinen sich um die Felsen herum zu winden. In der Ferne ist nun der erste Schnee zu sehen, in 1-2 Stunden werden wir dort sein.

Das Wetter ist nicht besser geworden, aber nun sind wir fast da: endlich Schnee, und das im Sommer!

Wir laufen durch den tiefen Schnee, sacken ein und haben trotz des nun einsetzenden Regens jede Menge Spaß.

Von Fjord zu Fjord geht es über ein kahles Hochgebirge, doch Schnee ist noch überall. Wir sind begeistert, auch wenn die Schneemassen uns zu erdrücken scheinen.

An einem atemberaubenden Wasserfall halten wir an. Nachdem wir gut gewässert sind, zieht es uns ins Trockene zurück. Wir fahren weiter.

Die Straße wurde bereits seit langer Zeit als Handelsweg genutzt, über den Hering und andere Fische sowie Salz von der Küste ins Landesinnere und umgekehrt Häute, Butter und Eisen vom Landesinneren zum Meer transportiert wurden. Es muss mühsam gesesen sein, zumal bei diesem Wetter.

Nun geht es recht steil und flott die Serpentinen talwärts. Natürlich müssen wir ein wenig vorsichtig sein, denn es regnet nach wie vor und wir möchten nicht auf dem kürzesten Weg ins nächste Tal rauschen.

Es ist aber nicht weit und schon nach wenigen Minuten haben wir diese Schneelandschaft hinter uns gelassen und sind wieder in grünen Gebieten. Der Wald hat uns wieder.

 An besseren Tage gibt dieser kleine Aussichtplatz am Stegastein sicherlich mehr her, aber wir sind nicht wählerisch. Es ist nun auch nicht mehr weit, Flam liegt fast vor uns.

 Die wunderbare Aussicht auf den Sognefjord. Wir bummeln noch ein wenig an den Schaufenstern der kleinen Einkaufsstraße am Bahnhof.

Dann ist es Zeit für den Rückweg. Eine Fahrt mit der Bahn ist hiermit auf ein paar Tag später verschoben, bei dem Mistwetter lohnt es sich nicht.

Zurück geht es durch den schon erwähnten Flam-Tunnel, den Lærdalstunnel. Mit seinen 24,5 Kilometern ist er der längste Straßentunnel der Welt.  Endlich wissen wir nun, wo die Trolle wohnen...


 

Nach Sognefjellet geht es heute. Nordeuropas höchster Pass, wir werden eine Serpentinenfahrt von 47 Kilometern vor uns haben. Es geht auf über 1.300 Metern Höhe.

Wegelagerer machten in früheren Zeiten die Gegend unsicher und raubten die Warentransporte aus. Aber da machen wir uns heute keine Sorgen.

 

Wir kommen an einem interessanten Gebäude vorbei.

 

Dann bringt uns ein Schiff auf die andere Seite des Sognefjords. Einen Moment sind wir verwirrt, niemand will uns Geld für die Überfahrt abknöpfen. Wozu auch? Hier in Norwegen geht das automatisch, anders als bei uns. Die Überfahrt wird gleich vom Konto abgebucht.

Aus der Ferne betrachtet, sieht das eigentlich nicht so schlimm aus, schon gar nicht nach richtigem Schnee. Doch das ändert sich bald.

 

Noch ein kleiner Dreifach-Wasserfall vorweg und es geht in den Schnee...

Plötzlich wird die Straße enger, kinks und rechts befinden sich hohe 'Schneemauern', so an die 3 Meter hoch. Nun ist uns klar, warum diese Strecke im Winter gesperrt ist und warum hier keine Busse von einer Länge über 12,4 Metern durch dürfen. An der nächsten Kurve würden sie sicherlich feststecken...

Vereinzelte Hütten, aber hier zu wohnen und zum Einkaufen die Strecke hinunter und wieder heraus zu fahren, wäre uns ein wenig zu anstrengend.

Hin und wieder sehen wir Steinhaufen. Wir erfahren, dass sie früher als Wegmarkierungen dienten, nämlich für die Wanderer und die wenigen Einwohner, die hier leben und lebten.

 Weiter geht die Fahrt durch die winterliche Landschaft. Wir haben heute Glück mit dem Wetter. Weiter geht es auf dieser höchsten Passstraße Nordeuropas.

Der Ausblick scheint nicht zu enden, nach einer Bergkette schließt sich die nächste an.

Hier, am Parkplatz von Mefjellet finden wir einen perfekt quadratischen Stein. Seine Oberfläche glitzert im Sonnenschein. Wer macht so etwas? Es handelt  Steinskulptur von irgendeinem Knut, durch den Stein sieht man die Gebirgslandschaft mit anderen Augen. Mag sein...

Dann erreichen wir das Ski-Centrum, logischer Weise heißt das hier Sognefjellshytta. Hier gibt es Erfrischungen, einen warmen Unterschlupf und eine tolle Aussicht. Das ist unser eigentliches Ziel, ein paar Meter weiter geht es zum höchsten Punkt des Gebietes.

Wir haben den höchsten Punkt erreicht und nun ist Schluss, es geht auf den Rückweg.

Wir sehen auf dem Rückweg einen liegen gebliebenen Wagen, der Fahrer wartet auf den Abschleppwagen. Unser Auto hat aber die Abwärtsquälereien gut weg gesteckt. Nun aber gilt es, über steile Kurven abwärts zu gelangen.

Da wenig Gegenverkehr kam, ging es flott abwärts.

Zurück über den Tindevegen, das führt uns zwar über eine Mautstrasse und es folgt immerhin keine Fähre.

Und so muss man sich hier Meter um Meter regelrecht herunter schrauben, bis man aus den Schneegebiet heraus ist. Dann wird die Landschaft wieder grün.

Nur noch ein paar kleine Windungen und es geht zurück in unsere Hütte. Es gibt gewiss einfachere Strecken, aber diese hier ist einfach nur genial.


 

Wir ziehen unsere Stiefel mit dem guten Profil an. Heute geht es auf einen Gletscher. Es geht nach Nigardsbreen. Der Name Nigardsbreen geht auf die Siedlung Nigard zurück. Diese wurde bei einem raschen Gletschervorstoß 1743 vernichtet.

Das Naturschutzgebiet Nigardsbreen besteht seit 1985 und ist 28,1 km² groß. Es grenzt an den Nationalpark Jostedalsbreen an und liegt im Jostedal in der Kommune Luster. Hier gibt es historische und geologische Quellen, die uns viel über Wachstum und Schwund des Gletschers erzählen.

Das Gebiet steht wegen des Gletschers und der Ablagerungen nach dem Gletscherrückzug unter Naturschutz. Deshalb ist es im Naturschutzgebiet nicht erlaubt, Steine zu bewegen, die Vegetation zu schädigen oder zu campen.

Vorbei geht es an reißenden Flüssen und wenig Vertrauen erweckende Brücken. Auch hier ist das typisch Türkis farbene Wasser zu sehen. Wasser, das durch die Kalkablagerungen gefärbt wird. Der Naturstoff Kalk begegnet uns ständig und überall und spielt für unser Dasein eine gewichtige Rolle, denn auch das Weltklima wird durch Kalk und seinen Kreislauf in der Natur wesentlich mit beeinflusst.

 Mit der Fähre geht es zunächst übr den Sognefjord, dann über Sogndalsfjøra bis wir in Gaupne abbiegen. Dann noch ein Stück weiter nach Gjeder und wir haben unser Ziel erreicht.

Dann geht es durch eine Schranke weiter. Ich bin sicher, dass die Gebühr dafür automatisch von meinem Konto abgebucht wird. Das sind so Sachen, die funktionieren hier einfach ganz prächtig in Norwegen. Auf der gesamten Reise habe ich weder Geld umbetauscht, noch irgendwann Kleingeld benötigt.

 Es ist wirklich nicht mehr weit, doch wir haben keine Ahnung, dass der anstrengende Teil des heutigen Ausfluges eigentlich noch vor uns liegt.

Dieses Warnschild vor dem Aufstieg verunsichert uns ein wenig. Aber da wir nicht vorhaben, auf dem Gletscher herum zu spazieren, sollte uns das hier eigentlich nicht abschrecken.

Aha, das sind also diese 'Ropes', die auf dem Wanrschild erwähnt wurden, denken wir, nachdem wir eine Weile über Felsen und Geröll mehr oder weniger gerstolpert sind.

Bei Regenwetter sollte man auf diese Tour vielleicht verzichten, da man schneller wieder unten sein könnte, als erwartet. Aber es ist kühl und trocken.

Es geht weiter und nach dem Klettern ist vor dem Klettern. Solch eine Strecke dürfte man in Deutschland niemandem anbieten, denke ich, aber die Norweger sind ohnehin kletterverrückt.

Immerhin werden wir hier sanft ins eiskalte Wasser gleiten, wenn wir hier auf eine rutschige Stelle treten sollten. Als ich aufs Wasser gucke, sehe ich ein Schiff, das voll beladen mit Touristen an uns vorbei fährt, Richtung Gletscher.

Anfänger, denke ich und wische mir den Schweiß aus dem Gesicht. Den Rückweg werden wir ja wohl hoffentlich mit dem Boot nehmen, da bin ich sicher.

Eine Treppe vor uns! Ich bin mittlerweile zu erschöpft um laut zu jubeln. Immerhin ist diese Treppe zwar schmal, aber dafür stabil.

Zur Abwechselung geht es über einen kleinen Steg, aber auch den lassen wir unfallfrei hinter uns. Vor uns sehe ich ein junges Ehepaar, das ein Kind auf dem Rücken trägt. Ich drücke die Daumen, dass sie nicht einen der Felsem herunter rutschen, mit Kind ist das nämlich nicht so empfehlenswert. Sie ziehen locker an uns vorbei.

Dafür vermissem wir die dicke Frau mit den Walkingstöckern, die wir vor eingen Minuten überholt hatten. Vermutlich ist sie umgekehrt, ich kanns gut verstehen.

Es kann nicht mehr weit sein und wir fassen neuen Mut. So langsam haben wir keine Lust mehr, bäuchlings über Felsen zu klettern. Eine Cola und eine bequeme Hängematte wäre nicht schlecht, denke ich.

Doch statt einer Hängematte gibt es mal wieder die beliebten 'Ropes'. Aber es ist wirklich nicht mehr weit. Ein Feigling, wer jetzt aufgeben würde! Also kriechen wir weiter.

Tatsächlich, da ist der , es heißt, er Nigardsbreen Gletscher ist der der am leichtesten zugängliche von allen Gletschern, ich möchte nicht wissen, wie die Zugänge zu den anderen Gletschern wohl sein mögen.

Dann sind wir endlich da, noch ein paar hundert Meter über rutschiges Geröll, dann haben wir unser Ziel erreicht:

Pures Eis zwischen Felsen. Das Blau des Gletschers sticht hervor. Wir machen ein Pause und erholen uns von den vorgegangenen Balanceübungen auf dem Weg hierher.

Wir entschließen uns den Rückweg mit dem Boot vorzunehmen.

Wir sind nicht die einzigen Besucher des Gletschers, die auf den Rückweg verzichten. Das Boot wird so gut gefüllt, dass ein paar Personen zurück bleiben müssen.

Dann erreichen wir wieder das Zentrum, genauer gesagt, das Bildungszentrum von Nigardsbreen, das Breheimsenter.  Es sieht aus der Ferne aus wie ein Helm, wir erfahren dort einiges über den Geltscher.

Es gibt hier Informationen in Textform (Norwegisch, Deutsch und Englisch) zu Gletscher, Land, Tierwelt und Bevölkerung. Von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf den Nigardsbreen.

Wir erfahren auch Erschreckendes über den Rückgang des Gletschers.

Noch vor wenigen Jahren sah der Gletscher in Nigardsbreen so aus, wie auf dem Prospekt, das wir sehen, heute jedoch sieht man deutlich, dass da schon eine ganze Ecke fehlt.

Das sind natürlich Belege, Bestätigungen für den akuten Klimawandel, der auch hier in Norwegen nicht Halt macht.

Wir machen uns auf nach Süden, zurück zur Fähre. Irgendwie braucht man hier nie lange auf eine Fähre zu warten, auch diese hier bringt uns schnell zurück auf die andere Seite des Sognefjords.


 

Nun also kommen wir zu dem eigentlichen Ziel dieser Norwegenreise: die sogenannte Flambahn,

Die Flåmsbana ist eine eingleisige normalspurige Nebenstrecke der norwegischen Bergenbahn. Sie führt vom 866 Meter hoch gelegenen Myrdal hinunter durch das Flåmsdalen nach Flåm am Aurlandsfjord.

Wir erreichen Flam am Ende des Aurlandsfjords, einem Nebenarm des 204 Kilometer langen und bis zu 1.308 Meter tiefen Sognefjords. Da kommt Loch Ness mit seiner Tiefe von 230 Metern nicht ganz mit.

 Es ist recht heiß an diesem Tag, aber genau richtig, um mit einem Zug durch die Berge zu fahren. Im Hintergrund legt ein Kreuzfahrerschiff an, viele der Passagiere wollen mit. Dennoch ist es nicht so voll wie vor ein paar Jahren, scheinbar haben wir eine gute Reisezeit erwischt.

Flåm war vor dem Bau der Eisenbahn hauptsächlich durch Landwirtschaft und Almbewirtschaftung geprägt.

In dem einzigen Touristenbüro erhalten wir unsere Fahrkarten. Natürlich hatten wir online gebucht. Es ist deutlich wenig los hier, scheinbar ist die Reisezeit vor der Mittsommer hier weniger frequentiert als den Rest des Jahres.

Die Flamsbana hält nicht weit entfernt. Natürlich ist sie wie alles in Norwegen geputzt und glänzt in der Sonne. Wir steigen ein, suchen uns einen guten Platz und stellen fest, dass der Zug nicht wirklich von Menschenmassen gefüllt ist.

Ein paar informelle Dinge in mehreren Sprachen, damit es auch der Letzte oder die Letzte versteht, dann ruckelt der Zug langsam los.

Die Flåmbahn ist eine der steilsten Eisenbahnstrecken der Welt auf Normalspur. Die Steigung beträgt auf fast 80 % der Strecke 55/1000, also eine Steigung von eins zu achtzehn.

Unser Ziel wird Myrdal sein, das wird in gut 20 Kilometern so weit sein. Davor warten 20 Tunnel auf uns. eine wahre Freude für den, der gerade fotographiert.

In den 1950er und 1960er Jahren sollte die Strecke wie andere Nebenstrecken in Norwegen stillgelegt werden. Da aber die Nutzung durch den Personenverkehr stetig zunahm, wurde schließlich davon abgesehen. Die neugegründete Gesellschaft Flåm Utvikling AS übernahm 1998 das gesamte Marketing einschließlich der werbeseitigen Produktentwicklung für die Flåmsbana.

2013 konnte mit 718.195 Fahrgästen ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden (2005: 475.033 Fahrgäste). Die Flåmsbana ist damit eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Norwegens geworden.

Der Zug stoppt plötzlich, es geht nicht weiter. Was ist los? Am 31. Juli 2019 gab es den letzten und hoffentlich einzigen Unfall auf dieser Strecke. Als der Zug nach Flåm an dem besagten Datum im Begriff war, den Zug in Richtung Myrdal am Bahnhof Berekvam zu passieren, befand sich die Weiche in der falschen Position, was zu einer Kollision zwischen den beiden Zügen führte. Mehr als 10 Personen erlitten leichte Verletzungen, nachdem sie während des Unfalls in den Wagen umgestoßen wurden. An Bord der beiden Züge befanden sich rund 800 Passagiere.

Die Strecke wird ohne Streckenblock betrieben. Im Sommer werden zwei Garnituren eingesetzt, die sich im Bahnhof Berekvam kreuzen. Dabei werden die Weichen von Hand gestellt. Das macht unser Schaffner nun und nachdem der Gegenzug vorbei gefahren ist, geht es für uns weiter.

Es geht vorbei an rauschenden Wasserfällen oder Flüssen, es scheint von allen Seiten zu rauschen. Grüne Täler, durch die Unmengen von Wasser sich ihren Weg ins Tal bahnen.

Und wir fahren weiter, der Huldra und dem Kjosfossen entgegen.

Die Huldra ist ein weibliches Wesen der skandinavischen Mythologie. In einigen Regionen wird sie auch als Wächterin des Waldes gesehen. Besonderes Merkmal sind die langen blonden bis goldenen Haare und ein wie bei Tieren üblicher Schweif am Hintern. Dieser wird aber gut durch die Haare und das Kleid versteckt.

Zunächst einmal halten wir am Kjosfossen. Es ist beeindruckend, selten kommt man so dicht an einen tosenden Wasserfall heran. Eine willkommende Erfrischung an diesem heißen Tag, keine Chance, dieser Dusche auch nur irgendwie zu entgehen.

Dann sehen wir die Huldra, rechts am Ufer tanzt sie!

Huldren halten sich gern an Gewässer auf. Sie sind bekannt dafür, Wanderer vom Weg abzubringen, Bauern die Sinne zu betören und Fischer in falsche Fahrwasser zu locken. Unwiderstehlich durch ihren Gesang, verführerisch durch ihr Aussehen und dabei nichts anderes im Sinn, als ihre männlichen Opfer an der Nase herumzuführen oder gar zu vernaschen.

Wenn ein Mann eiserne Gegenstände über den Kopf einer Huldra wirft oder schießt, muss er sie heiraten, bei dieser Gelegenheit verliert sie zwar den Kuhschweif, nicht aber ihre übernatürlichen Kräfte und Fähigkeiten. Je nachdem, wie er sie behandelt ist sie nett oder wird zu einem grausamen Drachen. Aber so etwas ist ja nicht ungewöhnlich...

1951 wurde in der Nähe des Wasserfalls diese Halteplatz für die Bahn errichtet, damit die Reisenden den Zug verlassen können, um den Wasserfall zu besichtigen.

Der Kjosfossen ist übrigens nur über die Flambahn zu erreichen, nur von dieser Haltestelle aus kann man den aus 93 Meter herabstürzenden Wasserfall bewundern.

Als wir alle gründlich gewässert sind, geht es zurück in den Zug. Myrdal ist nur noch wenigen Kilometer entfernt.

Myrdal ist eine 866,8 Meter hoch gelegene Bahnstation am Westrand der Hochebene Hardangervidda. Hier treffen sich die Bergensbane zwischen Oslo und Bergen sowie die Flåmsbana, die von Myrdal hinunter nach Flåm am Aurlandsfjord führt.

Wir hatten ja einiges vermutet, aber nicht, dass es von hier aus weitere Streckenverbindungen gibt. Die meisten Reisenden steigen aus, um sich die Beine zu vertreten.

Tatsächlich gibt es hier noch zwei weitere Fahrtrichtungen: die eine geht nach Oslo, die andere nach Bergen. Vielleicht sollte man doch irgendwann einmal das Auto zuhause lassen.

Tatsächlich sehe ich einige Passagiere, die umsteigen. Dann heißt es auch für uns einsteigen und die Fahrt geht zurück nach Flam.

Zurück geht es durch die vielen Tunnel, die einem des öfteren die besten Aufnahmen versauen. Doch wir haben schließlich mehr als genug von den einmaligen Bildern eingefangen.

Wir entspannen also und genießen ganz einfach die Fahrt.

Vorbei geht es an den kleinen Bahnhöfen, von denen allerdings nur zwei noch angefahren werden...

Dann taucht auch Flam auf.

Wir hatten mal wieder Glück mit dem Wetter gehabt und Flam und die dazu gehörigen Bahn zeigten sich von ihrer besten Seite.

Dann hält der Zug, der Bahnhof ist Nachmittags noch voller als vorher. Zeit für uns, unsere Sachen zu packen und die Fahrt nach Bergen anzutreten, wo ja noch der Ulriken auf uns wartet.

Ein letzter Blick auf den Fjord, der in den letzten Wochen allgegenwärtig war...

Eine Entenfamilie zieht zum Abschied vorbei.

Dann geht es die E16 durch den Nærøyfjorden Verdsarvpark hindurch weiter Richtung Bergen.


 

Bergen wurde 1070 gegründet. Bis 1830 die gröβte Stadt in Norwegen, ein wichtiger Europäischer Handels- und Seefahrtshafen und ein wichtiges Handelszentrum der Hanseatischen Kaufleute.

Das Deutsche Kontor wurde 1360 in Bergen etabliert und bestand 400 Jahre (ca. 1360-1754). Die Hanse erhielt ein Monopol im Handel mit Stockfisch und Fischöl. Das Kontor lag bei Bryggen, ganz im Zentrum.

Die Häuser bei Bryggen sind mehrmals abgebrannt, aber immer im alten Stil aufgebaut. Die Häuser von heutzutage stammen aus 1702 und sind UNESCO Weltkulturerbe.

 

Bergen ist in Norwegen auch als Syvfjellsbyen (Stadt der sieben Hügel) bekannt. Dieser Beiname soll auf den Dichter Ludvig Holberg, vermutlich in Anlehnung an die Sieben Hügel Roms, zurückgehen. Die eigentliche Anzahl Hügel, welche die Stadt umgeben, ist umstritten, unter anderem da fünf von ihnen (Ulriken, Fløyfjellet, Rundemanen, Blåmanen und Sandviksfjellet) alle Teil desselben Massivs sind.

Lyderhorn (396 m), Damsgårdsfjellet (317 m), Løvstakken (477 m), Ulriken (643 m), Fløyfjellet (400 m), Rundemanen (568 m), Sandviksfjellet (417 m).

Nach mehreren verheerenden Stadtbränden (1702, 1855, 1916), die durch die typisch norwegische Holzbauweise begünstigt wurden, erließ die Stadt Verordnungen, die den Bau von Holzhäusern auf dem Stadtgebiet nicht mehr gestattete.

Das Hafenviertel Bryggen, das bei den Stadtbränden mehrmals nicht verschont geblieben war, wurde nach jeder Zerstörung nach originalen Plänen wieder aufgebaut. Das Profil ist daher heute noch dasselbe wie im 12. Jahrhundert.

Beim großen Brand im Jahr 1702 wurden fast alle Gebäude, die größtenteils aus Holz gebaut waren, vernichtet. Es folgte jedoch ein Wiederaufbau im alten Stil. 1901 wurde ein Teil der südlichen Häuserzeile abgerissen und in Ziegelbauweise, aber mit den Giebeln im alten Stil neu errichtet. Seit dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge alles Deutsche in Norwegen recht unbeliebt war, wird die Deutsche Brücke im Allgemeinen nur noch Bryggen genannt. In der Nachkriegszeit wurde das Viertel vernachlässigt, und bei einem Brand 1955 wurden erneut große Teile von Bryggen zerstört. Etwa die Hälfte der aus dem Jahr 1712 stammenden Gebäude ging verloren. Nach jahrelangen Diskussionen – zur Debatte stand auch ein Abriss der erhalten gebliebenen 62 Häuser – kam es ab 1965 jedoch zur Wiederherstellung.

Es ist zwar erst Midsommar, doch es kann ja nicht schaden, sich schon mal ein paar Weihnachtsideen anzuschauen.

Und da gibt es so manches Originelles und Albernes.

Nach quälend langer Zeit ist auch dieser informative Besuch beendet und es geht weiter zum Markt am Hafen.

Den netten, ca. 20 Meter langen Stockfisch in Bryggen finden wir heute nicht, vielleicht ist er ja in Reparatur.

Dafür gibt es aber frischen Fisch auf dem Markt. Wer Fisch in jeder Form mag, ist hier bestens aufgehoben, wir lassen diese Kumpel aber hängen.

Wer hier nicht war, war nicht wirklich in Bergen, egal ob man Fisch mag oder nicht. Viele Stände sind hier aufgebaut, wir jedes Mal. Eine erste urkundliche Erwähnung des Markts ist im Bergener Stadtgesetz aus dem Jahr 1276 überliefert. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert fand der Markt am Nordufer der Bucht zwischen der Festung Bergenhus und dem Ostende der Bucht und somit vor den hanseatischen Handelshäusern der Tyskebryggen.

1541 verlangten die Bürger Bergens eine Verlegung des Markts an einen neutraleren Standort, um der Kontrolle des Markts durch die Hanse zu begegnen. Letztlich wurde der Markt an seinen heutigen Ort verlegt.

Anfänglich wurden nur Fische aus den umliegenden Seegebieten angeboten. Die Fische wurden zum Teil noch lebend direkt aus Ruderbooten und Schiffen verkauft. Der Fisch wurde dabei in Kisten mit Löchern gehalten und hinter den Booten bis zum Markt hergezogen.

Heute werden auf dem Markt Fische und auch exotische Meeresfrüchte aus der ganzen Welt in modernen Verkaufsständen angeboten. Neben Dorsch, Hering und Pollack werden auch Königskrabben und Lachs aus dem Nordmeer und Seeigel aus dem Mittelmeer gehandelt. Auf dem heute vor allem auf Touristen ausgerichteten Markt werden darüber hinaus auch Obst, norwegische Beeren und Gemüse sowie Produkte aus Elch und Rentier gehandelt. Sogar Walfleisch ist im Angebot.

 

Auf der Suche nach dem Ankerplatz der Hurtigruten schlendern weiter am Hafen entlang und treffen auf eindrucksvolle Wandgemälde.

Es ist wirklich schöne Graffiti, die Bilder sind eindrucksvoll...

 ...und ihre Aussagekraft beeindruckt uns.

Wir erfahren, dass es hier momentan 248 Streetart-Zeichnungen geben soll.

Wir fragen uns, ob Banksy in diesem Stadtteil war, erinnert uns doch vieles an seine Bilder.

Auf der Suche nach einer Pizzeria oder einem Restaurant stoßen wir auf die 'kürzeste Straße Norwegens'.

Wirklich nicht groß, aber dafür ist der 'Hellandsgarden' sicherlich auch sehr ruhig. Allerdings soll es es es Schottland, auf Wick, eine noch kürzere Straße geben: der Ebenezer Place, er ist nur rund 2 Meter lang und besteht aus nicht mehr als aus einer ganz schmalen Häuserfront. Diese Hausfassade wiederum hat gerade mal Platz für nur eine Tür. Aber der Ebenezer Place im schottischen Wick ist nun mal eine offizielle Straße und damit die kürzeste der Welt.

Dann endlich am Ende der langen Straße Strandgaten erreichen wir unser Ziel. Niemand zu sehen, doch meine Kommandatur verbietet mir einen Kurzbesuch des Schiffes.

Die MS Otto Sverdrup (früher MS Finnmarken) ist nach einem großen norwegischen Polarabenteurer benannt. Es ist eines von zehn Kreuzfahrtschiffen der Hurtigruten.

Dafür finden wir eine gemütliche Pizzeria und löhnen knapp 50€ im 'Tavassi Taste' für 2 exzellente Calzone mit Cola.

 Bei strömenden Regen machen wir, dass wir in unser trockenes Cottages zurück kommen, allerdings wundern wir uns schon, ob sich hinter diesem Tor eine Werkstatt oder ein Hobbyraum verbirgt...

Der Blick aus dem Fenster auf den Ulriken lässt uns auf besseres Wetter hoffen. Unsere Wohnung im Minde Apartment ist wirklich schön und geschmackvoll, nur die Technik funktioniert nicht so richtig und benötigt Nachbesserung. Das Wlan hat Aussetzer und der Fernseher ist nicht angeschlossen.

Bleibt nur zu hoffen, dass auch das Wetter hier nachgebessert wird.

 


 

Der Ulriken hat seinen Namen vom altnorwegischen Alrek, was so viel wie „der Raum Einnehmende“ bedeutet.

Der Ulriken ist auch von Bergens Stadthymne bekannt, die zwar offiziell „Ein Lied an Bergen“, heißt, aber den Untertitel „Aussichten vom Ulriken“ trägt. Nach der ersten Zeile heißt sie im Volksmund „Ich nahm meine frisch gestimmte Zither“, oder kurz „Die frisch Gestimmte“.

Das Lied wurde vom Bischof Johan Nordahl Brun 1791 zu einer festlichen Zusammenkunft geschrieben. Es ist nicht bekannt, ob Brun jemals auf dem Ulriken war.

Nach dem gestrigen langen Gelatsche durch das Hafengebiet von Bergen sind wir nicht sonderlich erpicht auf eine Wanderung zum Ulriken.

Ulriken Paradis bietet eine Bustour zum Ulriken inklusive Seilbahn an. 77€ für zwei Personen sind da annehmbar, zumal wir vor die Tür gefahren werden.

Nach wenigen Minuten sind wir da, der weitere Weg ist nun eine Kleinigkeit für uns.

Es geht nun direkt in die Kabine der Seilbahn. Außer uns sind noch 8-10 weitere Personen, die in luftige Höhen wollen.

Endlich geht es los!

Langsam setzt sich die Gondel in Bewegung. Natürlich hätten wir auch mal eben zu Fuß gehen können, der Wanderpfad ist mit "Ulriken opp" gekennzeichnet. Vielleicht ein nächstes Mal.

Im Hintergrund ist vorne rechts ein Teil der Sherpa-Treppe zu sehen, die von echten Sherpas für die nach Treppensteigen verrückten Norweger gebaut wurde.

Doch wir schweben lieber sanft durch die Lüfte. Unter uns ist Bergen, das Wetter spielt mit, die Gondel, mit der wir fahren, wurde letztes Jahr erneuert.

Was soll also passieren?

 

Hinter uns ein riesiger Funkturm, daneben ein Restaurant. wir gehen davon aus, dass ein Besuch desselben ruinös wäre und genießen statt dessen die freie Aussicht auf Bergen.

Hin und wieder sehen wir Schiffe abfahren oder gerade Bergen anlaufen.

Tatsächlich entdecken wir das Schiff, das uns in wenigen Tagen nach Hause bringen wird.

Unser 4-wöchiger Urlaub hat im wahrsten Sinne heute seinen Höhepunkt erreicht.

Auch unsere Hütte in Minden können wir von hier aus sehen.

Zur anderen Seite sehen ein spektakuläres Panorama. Von hier aus kann man vom Ulriken zum Fløyen über die Hochebene Vidden wandern, wenn man Lust auf über 5 Stunden laufen über Schotter und Stein hat.

 Wir fahren die 5 minütige Strecke mit der Gondel zurück. Dann wandern wir ein letztes Mal durch Bergen.

Vorbei durch ein Krankenhausgelände geht es weiter an einer Mühle vorbei. Wir vermuten, dass sie nur der Optik wegen hier steht.

Der Rückweg war doch ein wenig länger als gedacht. Wir packen unsere Sachen und ruhen uns ein wenig aus und packen für den nächsten Tag.

Das Wetter ist genau richtig, Norwegen zu verlassen. Ein weiterer Regentag erleichtert uns den Abschied. Wir sind zeitig am Schiff, aber hier muss sich alles noch erst sortieren.

Wir haben schon unsere Kabine frequentiert, als ein schier endloser Torso von Autos noch mit will.

Wir werfen noch einen letzten Blick auf den Ulriken, der uns aus der Ferne mit seinem mächtigen Turm zum Abschied zu winken scheint.

Nicht weit davon ist die Floi-Bahnen, nicht ganz so hoch, nur 320 Meter. Auch diese Fahrt mit einer Bahn dauert nur wenige Minuten, Kostenpunkt: ähnlich wie Ulriken.

 

Mit relativ wenig Verspätung legt das Schiff ab, Bergen verschwindet im Grau des Hintergrunds. Vorbei geht es an der wunderschönen Küste Norwegens nach Stavanger, dann nach Hirtshals.

Wir rauschen vorbei bis nach Stavanger, während das Schiff betankt wird. Während dessen grübel ich angestrengt nach, wohin die nächste Reise wohl gehen wird. Nach Schottland? Wird mal wieder Zeit. Oder Lofoten, oder ein Trip nach Island. Ein Bericht wird folgen.

Das Wetter klart auf, als wir an den letzte Bergen Norwegens vorbei fahren. Ein bisschen wehmütig denken wir an den Schnee in den Hochebenen.

Noch beim Abenddinner schauen wir auf die immer flacher werdenden Berge, die den Abschied von diesem wunderschönen Land verkünden.

Bis bald, Norwegen!