Hoch im Norden am Limfjord

Eigentlich hätte hier genauso gut ein Reisebericht über Amrum stehen können, aber die Wahl für die schönsten Reisen fiel ganz knapp auf den Limfjord. Amrum folgte später - und noch oft! Doch einen Bericht über Amrum wird es hier nicht geben - das können andere besser! Zwinkernd

LimfjordDie kleine Christina war mittlerweile 1 Jahr alt geworden und unser diesjähriges Reiseziel sollte etwas Besonderes sein. Unsere Wahl fiel auf ein kleines Häuschen in der Nähe des Limfjords. Auti, unser treuer Schottland-Kadett, hatte einen Nachfolger bekommen, einen roten Opel Astra. Der Name blieb der gleiche. Auti II sollte sich als würdiger Nachfolger erweisen. Unterwegs hielten wir nur einmal kurz zum Windelnwechseln und nach einigen Stunden erreichten wir den wunderschönen Limfjord. Der Limfjord liegt wie eine Grenze zwischen dem mittleren und nördlichen Jütland. Bis zur großen Sturmflut im 18. Jahrhundert war der Limfjord ein echter Fjord. Die grösste Insel des Fjordes ist die Insel Mors, die mit einer mit einer gigantischen Brücke mit dem Festland verbunden ist. Natürlich statteten wir auch Mors einen Besuch ab. Zunächst aber stellten wir fest, dass größere Feriensiedlungen hier relativ unbekannt waren. Alles war recht großzügig und weit verteilt angelegt. Die einzelnen Ferienhäuser waren in der Regel durch hohe Hecken voneinander getrennt. Den Fjord zu finden warLimfjord nicht weiter schwierig, doch das von uns gemietete Haus zu finden war dadurch weitaus schwieriger. Schließlich fanden wir es und verbrachten die nächsten Wochen in dem schönsten Haus, in dem wir auf unseren vielen Reisen je gewohnt hatten. Vor dem Haus war eine große Rasenfläche und der Abstand zum nächsten Haus war dem entsprechend. Urlauber, die lieber für sich alleine bleiben wollen, sind hier genau richtig.

Nachdem wir die Wohnungseinrichtung nach unserem Geschmack umgestellt hatten (natürlich wird vor der Abreise alles wieder wie vorher hingestellt!), stellten wir fest, dass uns die nächsten Wochen mit dänischen Fernsehsendern erwarten würden. Hoch im Norden waren heimatliche Sender nicht zu empfangen, doch ein amerikanischer Krimi mit dänischen Untertiteln hat auch seine Reize. Aber wer im Urlaub Fernsehen will, kann genauso gut zuhause bleiben und Orangen züchten. Weiterhin muss man sich im klaren sein, dass Urlaub mit Kind bedeutet, dass nun getan wird, was das Kind bestimmt. Somit war der Höhepunkt eines jeden Tages der gemeinsame Besuch eines großzügig angelegten Spielplatzes. Autos mit Kettenradantrieb konnten dort gefahren werden, Trampolin konnte gesprungen und jede Menge Schaukeln ausprobiert werden. Der Strand war an einigen Stellen tatsächlich so, wie er in der Werbung aussieht: weiß, sauber und menschenleer. an anderen Stellen hingegen sah es wie an der schottischen Ostküste aus: steinig und wenig Aussicht auf eine gute Badestelle, aber das ist ohnehin nur in der Sommerzeit zu empfehlen. Solange die Kinder noch nicht zur Schule gehen, kann man eben die Zwischensaison noch ausnutzen, später wird man dann selbst ausgenutzt und muss tiefer in den Geldbeutel greifen.

Unbedingt besuchen sollte man auf der Ecke die Burg bei Spöttrup, es lohnt sich. Weiterhin sollte der Besuch eines Erlebnisbauernhofs nicht vergessen werden, zumal der dort erhältliche Rapshonig einfach lecker ist. Nicht weit entfernt ist auch das ehemalige Wikingerdorf Hjerl Hede. In mühsamer Arbeit wurde hier alles originalgetreu wieder hergestellt. Wenn das Wetter mitspielt, sollte man sich für die Besichtigung schon recht viel Zeit nehmen.

Wem das alles nicht abenteuerlich genug ist, der sollte eine ausgedehnte Wanderung den Strand entlang unternehmen. Der Limfjord ist, wie der Name schon sagt, ein Fjord. Genau genommen ist es eine riesige, geschützte Bucht. Viel Wind und Wellen sind hier nicht zu erwarten. Auf einer unserer Wanderung in nördlicher Richtung trafen wir auf ein kleines Fischerhäuschen, in dem neben dem obligatorischen Eis auch Mahlzeiten angeboten wurden. Das Häuschen stand auf einer hohen Klippe und der Ausblick entschädigte für den langen Weg. Man fühlt sich an dieser Stelle an die Geschichten von Robert Lois Stevenson erinnert. Es hätte mich nicht überrascht, wenn plötzlich die "Hispaniola" in die Bucht eingelaufen und Käptn Long John Silver sich zu uns gesellt hätte. Wer die Einsamkeit liebt, sollte den Limfjord am besten in den Herbstmonaten bereisen und einen dicken Pullover mitnehmen. Überhaupt ist diese Jahreszeit besonders für die Beobachtung des Nachthimmels geeignet. Wenn schon recht früh die Dunkelheit einsetzt, gibt es hier kein Licht von irgendwelchen Industrieanlagen, die das Beobachten des Nachthimmels stören. Abends konnte ich hier in 10 Minuten bis zu 20 Satelliten sichten. Da wir gerade von Sterne sprechen: es steht noch in den Sternen, wann wir wieder an den Limfjord zurückkehren. Aber wenn sich irgendwann die Möglichkeit bietet, werden wir sofort wieder dorthin fahren. Die Anreise ist zwar recht weit, aber vielleicht sollte man einmal einen Zwischenstopp mit Übernachtung in betracht ziehen....

 

 

 

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