Auf dem Marienhof

Die Kinder wurden größer und übernahmen das Kommando. Ihre Forderung galt einem Urlaub auf dem Bauernhof. Die Suche dauerte auch gar nicht lange und unsere Wahl fiel auf den Marienhof, ein kleiner Resthof in Deichnähe. Inzwischen waren wir bereits dreimal dort.

Jedesmal nahmen wir unsere "Traumstraße" an der Küste entlang über Husum. Ein Urlaub sollte schon mit der Anfahrt beginnen und wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Autobahn zu meiden. Wir bezogen also für die nächsten Wochen eine Doppelhaushälfte neben dem Schweinestall. Das hört sich schlimm an, ist es aber nicht. Wer noch nie Urlaub aMarienhofuf dem Bauernhof gemacht hat, denkt nur an Gestank und Lärm. In Wirklichkeit ist ein Urlaub auf dem Bauernhof das Erholsamste, was es gibt. Selbst eingefleischte Stadtbewohner werden nach wenigen Stunden merken, dass ein bisschen Stallgeruch besser riecht als Autoabgase. Für Familien mit Kindern ist so ein Urlaub in der Regel ein Selbstgänger, denn Tiere gibt es neben den beiden netten Hofhunden, Ronja und Nora, wirklich genug.

Unsere Kinder verbrachten nun Stunden damit, alle Tiere zu beobachten und ihr Verhalten zu studieren. Zusammen mit den beiden Hofhunden scheuchte Christopher stundenlang die armen Hühner, Christina wagte sich auf ein Pony und betrachtete fasziniert die Entenküken auf dem kleinen Teich beim Hof. Toll war natürlich das Toben auf dem Heuboden, hier waren Seile an dem Dachbalken befestigt und mit Schwung konnten wir von einem Heuballen zum anderen gelangen. Natürlich hielt sich das Toben auf dem Dachboden in Grenzen, denn hier brüten auch einige Hühner. Wer möchte, kann frisch gelegte Eier zum Frühstück bekommen. Auf der Terrasse war auch ein Grill vorhanden, sodaß so mancher Abend mit Lagerfeuerstimmung ausklangt, wähend die Sonne hinter dem Deich versank. Dieser Deich ist nicht weit entfernt und zu Fuß in ein paar Minuten zu erreichen. Strand gibt es hier allerdings nicht, es handelt sich um eine Wattseite. Wer Probleme mit Warzen hat, ist hier genau richtig. Christinas Warze am Fuß war verschwunden, nachdem wir einige Spaziergänge barfuß im Watt gemacht hatten. Von da an nahmen wir jedesmal einen kleinen Vorrat Watt in einem Eimer mit nachhause. Auf dem Weg vom Watt zurück über den Deichweg waren Schafe und Austernfischer unsere ständigen Begleiter waren. Wir hielten uns in respektvoller Entfernung von diesen Vögeln, die gut an ihren roten Schnäbeln und ihrem schwarz-weissen Gefieder zu erkennen sind. Sie sind nämlich in den Sommermonaten oft mit ihrem Nachwuchs unterwegs und alles, selbst die Schafe, werden in unflätiger Weise beschimpft.



Wer auf Strand nicht verzichten kann, dem kann geholfen werden. Mit dem Auto ist es nicht weit bis zur dänischen Insel Römö. Nach etwas über einer Stunde Fahrt kann das Stranderlebnis beginnen. Hier gibt es einen riesigen Strand und die Autos dürfen sogar bis ans Wasser fahren, sofern sie nicht stecken bleiben. Aber keine Sorge, ein paar Jungs mit Jeeps und Allradantrieb verdienen sich ein paar Kronen oder Euros an Taschengeld damit, stecken gebliebene Touristen wieder flott zu kriegen. Auf dem Rückweg fanden wir auch den kleinsten Grenzübergang von Dänemark nach Deutschland. Wie immer nahmen wir unsere beliebten "Schleichwege", auf denen man doch so manches erleben kann. Nach einer kilometerlangen Fahrt auf einer einspurigen Deichstrasse standen wir plötzlich vor einem Schlagbaum - kein Zollbeamter weit und breit. Selbstbedienung war angesagt, also öffneten wir die Schranke mit der Hand und fuhren ohne lästige Passkontrolle weiter. Nachahmung auf eigene Gefahr!

Es wundert uns bis Heute, dass wir kein einziges Mal vom Krähen des Hahnes geweckt wurden, aber der Grund liegt wohl auf der Hand: bei der gesunden Landluft ist der Schlaf eben besonders tief! Jedenfalls waren wir noch keine 3 Wochen wieder zuhause, als wir den gleichen Bauernhof für das nächste Jahr gebucht hatten.

Auch im nächsten und dem darauf folgenden Jahr hatte sich nur wenig verändert als wir wieder auf den Marienhof fuhren. Schon seit Wochen sprachen die Kinder von nichts anderem und ihre Freude war groß, als sie fast alles so wiederfanden wie im Vorjahr. Fast, das heißt, es waren 2 neue, kleine Schweine da, wir nannten sie "Flecki und Goldi". Neben der Terrasse zu unserer Wohnung befand sich nun ein großer Sandhaufen, der wie geschaffen zum Buddeln war. Unsere Nachbarn, die Hühner und Gänse, waren durch einen kleinen Zaun von uns getrennt und das war auch ganz gut so, denn jedesmal, als wir unsere Essensreste auf den Misthaufen brachten, wurden wir von dem gierigen Hühnervolk belagert. Ohne Zaun wären sie uns wohl bis ins Wohnzimmer gefolgt. Auch ein Küken war übrigens diesmal dabei. Christina ließ es sich auch diesmal nicht nehmen, auf einem Pony zu reiten. Allerdings war Mira, so hieß das Pony, nicht sonderlich willig. Kein Wunder, wir hatte es gerade beim Essen auf der Weide gestört und Mira hatte keine Lust zu laufen, sondern begann immer wieder, zwischendurch zu grasen. Wir ließen es also für Heute sein und gingen an die Wattseite, um bei einem hinter den Dünen verstecktem, kleinen Kiosk ein Eis zu essen.

Natürlich war auch wieder ein Abstecher nach Römö angesagt. Diesmal allerdings waren wir angekommen, als gerade Ebbe war und das sollte Folgen haben. Es war am Strand recht voll an diesem Tag, doch wir fanden an diesem langgestreckten Strand schnell einen ruhigen Platz und verbrachten den Tag mit Baden. Viele Krebse waren an diesem Tag im Wasser und man musste aufpassen, nicht in Konflikt mit ihren Scheren zu kommmen. Auch ein paar Schollen und Krabben konnten wir beobachten. Als wir nach vielen Stunden zum Wagen zurückgingen, machten wir lange Gesichter: das Auto war verschwunden! Während wir uns noch fragten, wer denn so ein altes Auto stehlen würde, zeigte Christopher auf einen Mercedes, der im Wasser stand, während sein Besitzer hektisch dabei war, ihn wieder an Land zu fahren. Ich musste lachen, doch als der Mercedes weggefahren war, gab er den Blick auf unseren Wagen frei: 50 Meter vom Ufer entfernt stand unser treuer Opel. Schnell watete ich durch das Wasser, stieg ein und ließ den Motor an. Erleichtert merkte ich, dass die Räder nicht durchdrehten und unter dem Beifall der Zusschauer fuhr ich auf den Strand zurück. Eine Frau am Strand hatte die ganze Aktion mit ihrem Photoapparat festgehalten und versprach, uns Abzüge zuzuschicken. Sie erzählte, dass ihr Mann bei der Polizei arbeitet und unsere Adresse anhand der Autonummer herausfinden würde. Nach ein paar Wochen trafen die versprochenen Bilder ein.

Wir nahmen noch einen kurzen Umweg über den Hafen um uns noch ein paar frische Krabben zu besorgen, waren wir froh, als wir wieder auf dem Marienhof waren. Als wir abends alle zusammen beim Grillen auf der Terrasse saßen und die Sonne langsam hinter dem Deich verschwand, kreisten die Fledermäuse um uns herum. Auch die Eulen, die auf der Rückseite der Scheune wohnten, begannen mit ihrem "Gesang". Leider gingen auch diese Tage viel zu schnell vorüber, doch schon auf der Rückfahrt stand fest: wir kommen irgendwann wieder!

 

 

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